Frau Dr. Karin Pirc leistete für den Ayurveda in Deutschland echte Pionierarbeit. Die Humanmedizinerin, Lehrerin der Transzendentalen Meditation und promovierte Diplompsychologin, eröffnete bereits 1985 in Schledehausen Deutschlands erstes Ayurveda-Gesundheitszentrum. Gemeinsam mit Lothar Pirc gründete sie dann 1992 die Maharishi Ayurveda Privatklinik in Bad Ems.
Zahlreiche Fortbildungen über viele Jahrzehnte, so u. a. auch bei berühmtesten Ayurveda-Experten in Indien, machten sie bis heute zu einer der führenden deutschen Spezialistinnen für die ayurvedische Pulsdiagnose und Panchakarma. 2006 erhielt Dr. Karin Pirc den renommierten indischen Global Hakim Ajmal Khan Award als „Bester Ayurveda-Arzt 2006“ – weltweit sowohl als erste Frau, als auch als erste Europäerin.
Auf der Raj Ayu Con 2013, einem internationalen Kongress zu Ayurveda und alternativer Medizin im indischen Rajkot wurde sie mit dem „International Lifetime Achivement Award“ für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Ihr umfangreiches Wissen teilt Dr. Karin Pirc auch in ihren erfolgreichen Ayurveda-Büchern mit interessierten Lesern.
Wie sind Sie zum Ayurveda gekommen?
Ich wollte schon seit ich ein Kind war etwas machen, das den Menschen körperlich und seelisch hilft. Zunächst habe ich Psychologie studiert und dann mein Medizinstudium absolviert. Und schon nebenbei habe ich angefangen, mich mit Naturheilverfahren zu beschäftigen. Anfang der 1980er Jahre wurde die erste Ausbildung für Maharishi Ayurveda angeboten. Da ich zu diesem Zeitpunkt schon lange meditierte, war ich neugierig und offen dafür. Die Ausbildung fand damals in den Niederlanden statt. Ein sehr gut vorbereiteter Kurs mit indischen Professoren und westlichen Ärzten gab uns soviel mit auf dem Weg, dass ich direkt im Anschluss anfangen konnte, damit zu arbeiten.
Wie sehen Sie die Rolle von Ayurveda in Europa?
Immer mehr Menschen wählen alternative Heilmethoden und auch Meditation und Yoga, um sich seelisch und körperlich für den Alltag zu wappnen und gesund zu bleiben. Mit dem steigenden Gesundheitsbewusstsein wächst das Interesse am Ayurveda ständig weiter. Allein in Deutschland sind mittlerweile 80% aller Menschen von der positiven Wirkung von Naturheilverfahren überzeugt. Sie bevorzugen Naturmedizin als Primärmedizin.
Ich persönlich glaube, dass es keine vergleichbare Therapieform gibt, die dermaßen umfassend und durchgreifend ist. Die Tendenz derer, die sich für den Ayurveda interessieren und ihn für sich entdecken, ist deshalb stetig steigend. Der Ayurveda ist jedoch weit mehr als eine Aneinanderreihung angenehmer Wellnessanwendungen, wie es heutzutage leider immer noch des Öfteren fälschlich in den Medien dargestellt wird. Mit einem SPA-Urlaub hat ein Aufenthalt bei uns wenig zu tun. Es ist wesentlich komplexer. Dahinter steckt ein breit gefächertes Medizinsystem, mit dem man auch tiefsitzende Störungen körperlicher und seelischer Art erfolgreich behandeln kann.
Schade ist nur, dass bis dato nur sehr wenige private Krankenversicherungen Ayurveda-Behandlungen übernehmen, so dass eine solche Kur bisher noch aus eigener Tasche bezahlt werden muss.
Der Ayurveda arbeitet, entgegen der klassischen Schulmedizin, präventiv. Er hilft Krankheiten zu vermeiden und setzt auch noch dann an, wenn die Schulmedizin keinen weiteren Rat mehr weiß. Wichtig ist, dass der Patient mitarbeitet und bereit ist, seine Lebens- und seine Ernährungsweise zumindest in einigen Punkten umzustellen. Dann sind die Ergebnisse fast immer wirklich verblüffend.
Wie lässt sich Maharishi Ayurveda in unsere westliche Welt integrieren? Ist das nicht eine schwierige Lebensform für unsere von Arbeit und Konsum geprägte Gesellschaft?
Natürlich kann der Ayurveda in unserem hiesigen Alltag nicht so strikt gelebt werden, wie in einem Ashram in Indien. Würde man nach den rein ayurvedischen Regeln leben, so müsste man nur frisch gekochtes Essen zu sich nehmen, Zeit für die tägliche Ölmassage und Meditation und Yoga einbauen – das ist hier kaum realisierbar. Man kann für sich aber einfach schauen, was in den Tagesplan passt. Der Lebensrhythmus hier ist ein anderer, als zum Beispiel in Indien. Gerade deswegen bin ich auch der Meinung, dass westliche Ayurveda-Ärzte wichtig sind, weil wir wissen, wie das Leben hier im Westen aussieht, und wir besprechen mit jedem Patienten einzeln, was und wie er unsere Empfehlungen realistisch zuhause umsetzen kann.
Wen trifft man bei Ihnen in der Maharishi Ayurveda Privatklinik?
Für Ayurveda interessieren sich Menschen, die entweder sehr krank sind und schon alles Mögliche versucht haben und auch diejenigen, die sich für die Verbesserung ihrer Gesundheit und für Naturheilverfahren interessieren. Natürlich haben wir auch Gäste, die sparen, um sich einmal im Jahr eine Panchakarma-Kur leisten zu können oder dafür auf eine Urlaubsreise verzichten. Wir haben vom Gros her schon vorwiegend Gäste, die einen eigenen Einsatz bringen möchten und Interesse zeigen, und das setzt natürlich wiederum eine große Wachheit bezüglich der eigenen Gesundheit voraus. Der Gast sucht heute nicht nur reine Entspannung; er wünscht sich eine tiefgreifende Veränderung seines ganzheitlichen Wohlbefindens und möchte auch verstehen, was in seinem Körper und in seinem Geist geschieht.
Was bedeutet für Sie der ganz persönliche Weg des Ayurveda?
Für mich ist es der Weg hin zur puren Lebensfreude und zu einem erfüllten und gesunden Dasein. Allerdings muss jedem bewusst sein, dass dieser Weg persönlichen Einsatz fordert. Man braucht zumindest zuerst eine gute Portion Disziplin. Wenn man jedoch wirklich davon überzeugt ist und ihn konsequent beschreitet, dann wird man reichlich belohnt und erlangt nicht nur körperliche Gesundheit, sondern auch seelische Ausgeglichenheit. Durch die Entgiftung entsteht auch ein seelischer Prozess, der das ganze Leben in eine positive Richtung bringt. Man ist eins mit seinem Körper, lässt ihm Gutes zukommen, achtet auf ihn und gibt ihm alles, was er braucht. Das dankt er, indem er weniger anfällig für Krankheiten wird und ein stärkeres Immunsystem entwickelt. Es kommt einfach eine ganz andere Lebensfreude in einem auf. Das ist auch das, was mich am Ayurveda so begeistert. Der Ayurveda ist so unendlich vielschichtig. Wenn man vieles davon im eigenen Leben umsetzt, dann ist das einfach nur bereichernd. Es verändert das Leben auf eine ungeheuer positive Weise. Dabei geht es um Heilung, tiefgreifende Veränderung und neue Lebensansätze. Das zieht sich durch alle Bereiche des Seins.